Blick von unten auf moderne Hochhäuser mit Glasfassaden vor einem blauen Himmel mit leichten Wolken. Die Gebäude wirken imposant und repräsentieren eine urbane Architektur.

City Survey

Q1 2026

Kapitel 1Makroökonomisches Umfeld

Die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich zuletzt wieder eingetrübt und ist weiterhin von Unsicherheit geprägt. Hauptursache sind geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die sowohl zu steigenden Energiepreisen als auch zu Störungen in den globalen Lieferketten führen. Insbesondere eingeschränkte Transportwege beeinträchtigen den Handel und erschweren die Planbarkeit für Unternehmen, die zunehmend kurzfristiger agieren müssen. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognosen deutlich nach unten angepasst. Für das laufende Jahr wird nur noch ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 % erwartet, nachdem zuvor 1,0 % angenommen wurden. Auch für 2027 wurde die Erwartung von 1,3 % auf 0,9 % reduziert. Eine spürbare wirtschaftliche Erholung bleibt eng an die geopolitische Lage geknüpft. Zusätzlich bremsen strukturelle Defizite die wirtschaftliche Entwicklung. Zwar sind Investitionsimpulse angekündigt, deren Wirkung bleibt jedoch bislang begrenzt, da Mittel unter anderem verstärkt in den Verteidigungsbereich fließen. Daher zeigt sich das konjunkturelle Bild uneinheitlich: Einerseits haben sich die Investitionserwartungen der Unternehmen zuletzt verbessert, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und in weniger energieintensiven Branchen. Andererseits bleibt die gesamtwirtschaftliche Stimmung gedämpft. Im Außenhandel zeigen sich leichte Erholungstendenzen. Exporte und Importe sind zuletzt (Februar) sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich gestiegen, was auf eine gewisse Stabilisierung hindeutet. Die Inflationsrate hat sich im März 2026 auf 2,7 % erhöht und liegt damit über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Haupttreiber sind gestiegene Energiepreise. Für das Gesamtjahr wird ein ähnliches Niveau erwartet, während die Geldpolitik weiterhin restriktiv bleibt. Obwohl die grundsätzliche Kauf- und Sparneigung bislang stabil bleibt, wächst die Verunsicherung der privaten Haushalte und wirkt sich auf die Verbraucherstimmung aus. Der Konsumklimaindikator ist rückläufig, insbesondere aufgrund eingetrübter Einkommenserwartungen infolge steigender Preise. Für das Jahr 2026 ist weiterhin mit einem anspruchsvollen Umfeld zu rechnen. Nach der vorangegangenen Schwächephase dürfte sich die wirtschaftliche Entwicklung jedoch mittelfristig stabilisieren, gestützt durch eine zunehmende Investitionsbereitschaft. Impulse ergeben sich aus neuen Handelsinitiativen (Indien, Australien und weiteren Ländern) der EU, die Rückgänge in wichtigen Exportmärkten teilweise abfedern könnten. Gleichzeitig gewinnt Europa im Zuge globaler Unsicherheiten an Attraktivität als stabiler Absatzmarkt. Die weitere Entwicklung bleibt jedoch stark geopolitisch geprägt: Anhaltende Spannungen bergen Risiken für Energieversorgung und Weltwirtschaft, während erhöhte Unsicherheit zunehmend zum strukturellen Umfeld wird.

Wirtschaftswachstum und Inflationsentwicklung

(in % z. Vj.)

Quellen: Oxford Economics (April 2026), Colliers
Prognose ab Q2 2026

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bleibt trotz der geopolitischen Spannungen und des Ölpreisanstiegs vorerst unverändert. Der Einlagenzins wurde bereits zum sechsten Mal in Folge bei 2,0 % belassen, wobei die EZB zugleich ihre Handlungsfähigkeit in einem unsicheren Umfeld betont. Während vor der Nahost-Krise für 2026 überwiegend ein stabiles Zinsniveau von rund 2,15 % (Hauptrefinanzierungssatz) erwartet wurde, haben sich die Markterwartungen inzwischen deutlich nach oben verschoben. Aktuell werden im Durchschnitt mindestens zwei Zinsschritte eingepreist, sodass ein Anstieg auf bis zu 2,65 % (Consensus) möglich erscheint. Parallel dazu zeigte sich der Kapitalmarkt zuletzt volatiler bei steigenden Finanzierungskosten. Die zehnjährigen EUR-Swap-Sätze bewegten sich im ersten Quartal 2026 in einer Bandbreite von 2,7 % bis 3,16 % und lagen mit durchschnittlich 2,93 % rund 30 Basispunkte über dem Niveau zu Jahresbeginn. Insgesamt bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld damit herausfordernd, insbesondere für zinssensitive Bereiche wie den Immobilienmarkt.

Zinsentwicklung (in %)

Quellen: Oxford Economics (April 2026), Colliers
Prognose ab Q2 2026

Das Finanzierungsumfeld bleibt von erhöhten Schwankungen geprägt. Die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen bewegte sich in den letzten Monaten bei rund 3,0 % und damit auch über dem durchschnittlichen Jahresniveau 2025. Kurzfristige Marktbewegungen werden weiterhin maßgeblich durch geopolitische Entwicklungen sowie politischen Entscheidungen beeinflusst, wobei insbesondere Impulse aus den USA eine zentrale Rolle für die globale Zins- und Konjunkturdynamik spielen. Für die Immobilienmärkte bedeutet dies eine fortschreitende Marktanpassung in einem weiterhin anspruchsvollen Umfeld. Investoren fokussieren sich dabei verstärkt auf qualitativ hochwertige Objekte mit nachhaltigen Ertragsstrukturen und solider Risikoprofilierung.

Anleihen- und Immobilienrenditen (in %)

Quellen: Oxford Economics (April 2026), Colliers
Prognose ab Q2 2026

Blick von unten auf moderne Hochhäuser mit Glasfassaden vor einem blauen Himmel mit leichten Wolken. Die Gebäude wirken imposant und repräsentieren eine urbane Architektur.